Information für Pflegende und Ärzte

Immer mehr Menschen werden immer älter – und viele von ihnen haben Angst, pflegebedürftig zu werden, haben Angst, ob ihre existenziellen Wünsche und Bedürfnisse noch beachtet werden, wenn sie sie nicht mehr selbst artikulieren und durchsetzen können.

Eine Patientenverfügung zu erstellen wird von vielen versäumt, oder sie bietet zu großen Interpretationsspielraum bei der Anwendung auf den konkreten Fall. Dann kann Ethikberatung helfen.

Klinische Ethikberatung umfasst 3 Bereiche:

  • Ethische Fallbesprechung,
  • Fortbildung in ethischen Fragen,
  • Erstellung von Ethik-Leitlinien.

Diese Aufgaben werden in Krankenhäusern vom klinischen Ethikkomitee wahrgenommen. Kleinere Kliniken und Belegkrankenhäuser können von unserem einrichtungsübergreifenden Ethikkomitee profitieren. 

Auch in Pflegeheimen, ebenso in Behinderteneinrichtungen und im ambulanten Bereich, stehen Konflikt-Entscheidungen immer wieder an, insbesondere über Behandlungen am Lebensende bei eingeschränkt oder nicht Selbstbestimmungsfähigen. Um einen Patienten-orientierten Konsens zwischen Ärzten, Pflegenden und Angehörigen (bzw. gesetzlichem Vertreter) zu erreichen, empfiehlt es sich, auch in Pflegeeinrichtungen (und für die häusliche Pflegesituation) Ethikberatungen anzubieten. (Empfehlung des Deutschen Ärztetags 2008)

Eine häufige Situation betrifft den nur eingeschränkt oder nicht mehr selbstbe­stimmungsfähigen Patienten bzw. Pflegeheim-Bewohner: Aus ärztlicher Sicht ist eine Maßnahme angezeigt, die die Angehörigen bzw. der rechtliche Vertreter ablehnen, oder umgekehrt: der Arzt hält eine bestimmte Maßnahme für nicht mehr angezeigt, aber die Angehörigen bestehen darauf. Mitunter hat das Pflegeteam eine dritte Meinung zu dem Problem oder es gibt verschiedene Meinungen innerhalb der Familie. Eine Situation der Ratlosigkeit, die dann oft in Zerwürfnissen oder vor Gericht endet.

Ethikberatung moderiert die verschiedenen Perspektiven der Parteien und stellt einen ethischen Begründungshorizont bereit. Dies geschieht in einem Gespräch aller Beteiligten, bei dem die Wünsche und Bedürfnisse des Patienten unter vorrangiger Berücksichtigung seines rekonstruierten Willens im Mittelpunkt stehen; so soll eine Einigung auf ein angemessenes Vorgehen herbeigeführt werden.

Anfragen können von Betroffenen, Angehörigen, Betreuern, Ärzten, Pflegenden und den Einrichtungen der Altenhilfe gestellt werden.

Hierzu steht Mo-Fr 8-12 das Telefon der Palliativakademie 0931 393 2281 zur Verfügung.

Wer dort seine Kontaktdaten hinterlässt, wird zeitnah von einem/r Berater_in zurückgerufen.

Die Beratung erfolgt durch ein Team geschulter Berater_innen mit breiten Erfahrungen in Palliativpflege, Medizinethik und verwandten Gebieten.

Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts wird sichergestellt durch Prof. Dr. Birgitt van Oorschot, Universität Würzburg.

Grundsätzlich handelt es sich um ein bezirksweites Projekt.

Anfangs richtet sich das Angebot an Menschen und Einrichtungen in Stadt und Landkreis Würzburg, Kitzingen, Main-Spessart (Ethikkomitee 1) sowie in der Untermain-Region (Stadt und Lkr. Aschaffenburg, Miltenberg: Ethikkomitee 2 - Leitung: Karl Enk M.A.).

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